Was Du über Dein Sehnenproblem wissen musst...

Sehnenbeschwerden gelten als langwierig, zeitraubend und frustrierend.

Bei den Betroffenen genauso, wie bei Ärzten und Physiotherapeuten.

Ein Grund dafür: Das Problem wird falsch eingeschätzt und häufig unterschätzt.

Die Betroffenen denken, dass Ihre Sehne entzündet ist.

Daher machen viele eine komplette Sportpause, verwenden Eis und entzündungshemmende Salben und erwarten eine schnelle Heilung - die Entzündung sollte ja damit schnell abgeklungen sein.

Deine Sehne »on fire« ? Es ist aber keine Entzündung !

Anhaltende Sehnenprobleme haben nichts mit einer Entzündung zu tun, die mit Ibuprofen, Diclofenac oder Kortison zu heilen ist.

Es mag sein, dass Deine Beschwerden mit entzündungshemmenden Salben oder Tabletten kurzfristig gelindert werden.

Wenn Du aufhörst Tabletten zu nehmen, kommen auch Deine Beschwerden wieder zurück.

Die Sehne ist nicht entzuendet

Was in der Sehne bei anhaltenden Beschwerden abläuft ist keine Entzündung, sondern eine Fehlheilung.

In der veränderten Sehne finden sich wesentlich mehr Sehnenzellen,

sowie mehr Narbengewebe (weniger belastbares Kollagen Typ III).

Mikrogefäße sprießen in die Sehne ein. Parallel dazu auch neue Nervenfasern.

Es gibt keine Wundermittel

Es gibt für dein Sehnenproblem leider kein Wundermittel.

Es gibt keinen »quick fix«, die schnelle Sehnenreparatur.

Es gibt keine Wunderpille, keine Wunderspritze, die deine Sehne schnell wiederherstellt.

(Es gibt aber genug Therapeuten, die dir so etwas versprechen...)

Sehnenprobleme keine Wundermittel

(Bildquelle: ATU)


Aktiv mitarbeiten, statt behandeln lassen

Du darfst als Sehnenpatient kein Therapiekonsument sein.

Bei Sehnenproblemen kannst du nicht einfach die Verantwortung an Deinen Therapeuten abgeben.

Arzt oder Physiotherapeut sehen dich nur in einem Bruchteil ihrer Zeit.

Entscheidend ist nicht, was in diesem kurzen Zeitabschnitt passiert,

sondern was du in den restlichen 99,9% der Zeit mit deiner Sehne machst.

Das Therapieergebnis hängt überwiegend von deiner aktiven Mitarbeit ab

Eine komplette (Sport-)Pause ist meist nicht nötig

Um ihre Schmerzen loszuwerden, entlasten viele Patienten ihre Sehne komplett.

Oder Sie hören von Ihrem Therapeuten: »Dann hören Sie doch einfach auf zu laufen«

Aber: was nicht gebraucht und belastet wird, baut sich ab. Das gilt für Muskeln, Knochen und auch Sehnen.

Durch die Belastungspause entsteht eine weniger belastbare Sehne.

Der Wiedereinstieg in den Sport endet meist nach wenigen Tagen, weil die Sehne noch schneller überlastet wird.

Du solltest, wenn möglich, keine komplette Sportpause einlegen: Stattdessen wird die Sehnenbelastung zunächst gezielt reduziert. Du kannst dann weiter trainieren, musst aber z.B. auf Sprünge, Sprints, häufige Landungen und schnelle Richtungswechsel verzichten, oder die Anzahl deutlich reduzieren.

Danach erfolgt eine auf deine Sehne angepasste Belastungssteigerung.

Und Deinen Sport musst du meist nicht komplett pausieren !

Die Sehne, die weh tut, reisst nicht

Viele Patienten haben Angst, dass die Sehne unter Belastung reissen kann.

Diese Angst ist der häufigste Grund die verordneten Übungen mit zu geringer Belastung oder mit weniger Wiederholungen durchzuführen.

Oder die Übungen werden deswegen überhaupt nicht gemacht.

Die meisten Patienten sprechen erst über Ihre Angst vor einem Sehnenriss, wenn man Sie direkt danach fragt.

Vielleicht haben auch du Bedenken, dass Deine Sehne reissen kann ?

Die Sorge ist aber unberechtigt !

**Eine schmerzende Achillessehne reisst nur in ganz selten Fällen !**

Die Patienten, bei denen dies passiert, sind typischerweise:

  • im Alter von 40-59 Jahren
  • wurden zusätzlich mit Kortison oder mit speziellen Antibiotika (Chinolone, wie z.B. Ciprofloxacin) behandelt
  • oder sind an Rheuma erkrankt.

Bei den allermeisten ist die Sehne voll belastbar, auch wenn Sie schmerzt.

Kein Grund Deine Übungen vorsichtig, oder gar nicht zu machen.

Hör auf Deine Sehne

Die Sehne reagiert auf zu viel Belastung.

Aber nicht sofort.

Bestenfalls spürt du es noch während der Trainings- oder Therapieeinheit.

Meist jedoch kommt die Antwort der Sehne erst am Tag danach.

Zusätzlich kommt es darauf an, wie stark die Schmerzen sind:

  • während der Belastung
  • direkt danach
  • am Tag danach.

Schmerzen, die auf unserer Schmerzskala von 0-10 (0 = keine Schmerzen und 10 = Hölle ) den Bereich von 5 übersteigen, bedeuten:

Die Belastung durch Therapie oder Sport sind zu intensiv. Die Sehnenbelastung muss reduziert werden.

Liegen die Beschwerden in einem Bereich von 0-2 darfst du die Belastung dosiert steigern

Bei 3-5 solltest du die Belastung erst einmal so belassen

Sehne Therapieampel

Realistischer Zeitrahmen

Deine Hoffnung: »Mein Sehnenproblem ist in ein paar Tagen, oder in wenigen Wochen wieder weg.«

Du musst aber wissen: In der Orthopädie wird innerhalb von 4-6 Wochen leider nichts wieder vollständig gut.

Sehne heilt langsam

Die Liste zeigt Dir die realistische Behandlungsdauer für unterschiedliche Sehnenprobleme

  • Tendopathie der Achillessehne: 6-12 Monate
  • Ansatztendopathie der hinteren Oberschenkelmuskulatur: 12-16+ Monate
  • Tendopathie der Patellarsehne (»jumpers knee«):  9-12 Monate
  • Riss der Achillessehne: 9-12+ Monate

Ja, ich weiß. Der Zeitrahmen passt weder in deine Vorstellung als Sportler, noch in die des Trainers oder Deiner Mannschaft.

Lass Dir sich nicht von irgendwem einreden, dass du die Ausnahme von der Regel bist.

Und dass du mit teuren Therapiemaßnahmen alleine viel schneller wieder schmerzfrei auf dem Platz oder der Laufstrecke stehst.

Wenn du mit unserer Therapie deine Sehnenbelastung individuell verminderst und gleichzeitig ein dosiertes Aufbautraining durchführst, wirst du erste Erfolge dieser Therapie spätestens nach 4 Wochen spüren.

Wenn Du aktiv mitarbeitest, dann werden sich Deine Schmerzen in in den ersten 12 Wochen deutlich reduziert haben.

Bei vielen Sehnenpatienten versagt nicht die konservative Behandlung,
Sie geben einfach auf bevor das Wunder passiert

Rückschläge einplanen

In der  Behandlung von Sehnenproblemen geht es nicht immer nur steil bergauf.

Du wirst immer wieder mit Rückschlägen zu tun haben.

Das ist der normale Verlauf.

Immer wieder sagt dir deine Sehne, wann du in der Therapie, oder im Sport dann doch etwas zu viel gemacht hast.

Dann weisst du, wo deine aktuelle Belastungsgrenze liegt.

Also nicht gleich frustriert aufgeben !

Stattdessen passe deine Sehnenbelastung an und mach weiter mit der Therapie.

Sehnentherapie Rueckschlaege

Quelle: Twitter @adammeakins

Keine Monotherapie

In der Sehnenbehandlung gibt keine Wundermittel (siehe Punkt 2), die alleine angewendet dein Sehnenproblem lösen können.

Hyaluronsäure, Stosswelle, Sklerosierungsbehandlung, PRP (Eigenblut), oder Nahrungsergänzung zeigen wenig Wirkung, wenn sie als einzige Therapiemaßnahme eingesetzt werden.

Werden sie jedoch zusammen mit einem dosierten Aufbauprogramm eingesetzt, abgestimmt auf dein individuelles Sehnenproblem,

dann lässt sich damit der Heilungserfolg tatsächlich beschleunigen.

Ohne die Basismaßnahmen wirken Sie meist wie ein teures stumpfes Schwert.

Zusammenfassung

  1. Die Sehne ist nicht entzündet
  2. Es gibt keine Wundermittel
  3. Eine komplette Sportpause ist unnötig
  4. Eine Sehne, die weh tut, reisst nicht
  5. Höre auf Deine Sehne
  6. Denke in Monaten, nicht in Tagen oder Wochen
  7. Plane Rückschläge ein
  8. Therapiekombination statt Monotherapie

Newsletter

Trage deine E-Mail ein und erhalte unseren kostenlosen Newsletter.

Noch keine Kommentare vorhanden

Was denkst du?